ZZPZ /  CSKP

Československý kastračný program – Nitra

Mehr als ein Tierheim: Ein Kastrationsprogramm mit eigenem Shelter

Wer Diana Truchlíková zum ersten Mal begegnet, spürt schnell, dass Tierschutz für sie kein Hobby ist – sondern eine Aufgabe, der sie ihr Leben gewidmet hat. Als Vorsitzende des ZZPZ (Združenie za práva zvierat – Vereinigung für Tierrechte) organisiert sie seit Jahren Kastraktionsaktionen für Straßenhunde quer durch die Slowakei und darüber hinaus. Das zugehörige Programm trägt den Namen CSKP – Československý kastračný program, zu Deutsch: Tschechoslowakisches Kastrationsprogramm.

Das Besondere an dieser Arbeit: Sie hört nicht bei der Kastration auf. Hunde, die bei den Aktionen zu schwach, zu krank oder zu jung sind, um einfach freigelassen zu werden – Welpen, verletzte Tiere, hoffnungslose Fälle auf den ersten Blick – brauchen danach einen Platz, an dem sie sich erholen und weiterleben können. Für diese Tiere hat Diana in Nitra einen privaten Shelter aufgebaut. Mit Unterstützung aus dem Saarland.

Anfang 2015 begann die Zusammenarbeit zwischen Hundepfoten Saarpfalz e.V. und Diana Truchlíková. Was seitdem entstanden ist, geht weit über eine normale Partnerschaft hinaus.

Ein Shelter entsteht – in einer Nacht-und-Nebel-Aktion

Im Frühjahr 2015 hatten Diana und ihr Team ein Gebäude in Nitra gefunden, das als Shelter genutzt werden sollte. Der erste Blick auf das Haus war ernüchternd: Der Zustand war so schlecht, dass es einem zunächst kurz die Sprache verschlug. Was anderen hoffnungslos erschienen wäre, war für Diana und ihre Mitstreiterinnen ein Ausgangspunkt.

Das Projekt musste in der Anfangsphase bewusst im Verborgenen bleiben. Zu groß war die Gefahr, dass Gegner des Tierschutzes – und die gibt es in der Slowakei mehr wie anderswo – das Vorhaben sabotieren würden, bevor es überhaupt anlaufen konnte. Erst als der Shelter stand und die ersten Tiere eingezogen waren, konnte offen darüber gesprochen werden.

Hundepfoten Saarpfalz beteiligte sich von Anfang an sowohl finanziell als auch mit Sachspenden am Aufbau. Und mit dem, was dann folgte, konnte wohl niemand in diesem Ausmaß gerechnet haben.

Was Menschen möglich machen, wenn sie anpacken

Die Liste derer, die den Aufbau des Nitra-Shelters mit ermöglicht haben, ist bemerkenswert – und sie zeigt, wie viel in Bewegung gerät, wenn ein konkretes Projekt sichtbar wird.

Ein Fliesenhandel aus Merzig und Wadgassen steuerte Fliesen für den Shelter bei, deren Gesamtwert sich auf knapp 13.000 Euro belief. Die Tierarztpraxis Dr. Daniela Mamic aus Traben-Trabach spendete ein Ultraschallgerät für den Veterinärraum – eine Ausstattung, die für die medizinische Arbeit im Shelter von unschätzbarem Wert ist. Familie Kappler und die Firma Ophthalmo Pro aus St. Ingbert unterstützten mit Geld, Futter und medizinischen Verbrauchsmaterialien; allein die Wurmkuren hatten einen Wert von über 1.530 Euro. Frau Karin Stilo schließlich stiftete zwei Desinfektions- und Sterilisationsgeräte.

Schritt für Schritt entstanden in dem Gebäude ein Quarantänebereich, ein Büro mit Lagerraum, ein Veterinärraum und Innenzwinger. Im Frühsommer 2015 zogen die ersten Hunde ein – jene Tiere, die bei den Kastraktionsaktionen aufgegriffen worden waren und nirgendwo anders hingekonnten.

Im Einsatz bei den Aktionen: Ostern 2015

Den besten Eindruck davon, was Dianas Arbeit in der Praxis bedeutet, bekam Hundepfoten-Mitglied Eric Daniels, als er zu Ostern 2015 an einer der Kastraktionsaktionen in Moldava nad Bodvou und Jasov teilnahm.

Elf Stunden Fahrt, Ankunft am Donnerstag, Beginn der Aktion am Freitag. Drei bis vier Tierärzte, ein mobiler Operationssaal in einem Fußballvereinsgebäude. Hunde wurden in den umliegenden Siedlungen eingefangen, kastriert und anschließend wieder freigelassen. Eric assistierte am zweiten Tag der Aktion für zwölf Stunden im Operationssaal – eine Erfahrung, die ihn nicht unberührt ließ.

Das Ergebnis dieser Aktion: 127 kastrierte Hunde. Und: 56 Welpen und 19 kranke erwachsene Hunde, die nicht einfach zurückgelassen werden konnten – und die den Weg nach Nitra in den gerade fertiggestellten Shelter fanden. Die Firma Ophthalmo Pro hatte allein für diese Aktion medizinische Mittel im Wert von über 1.500 Euro bereitgestellt.

Im Einsatz bei den Aktionen: Brezno 2016

Im Juni 2016 fuhren Hundepfoten-Mitglieder erneut mit – diesmal zu einer Kastrationsaktion in Brezno. Einen ganzen Tag lang waren sie Teil von Dianas Team, sowohl im mobilen Operationssaal als auch bei den Einsätzen in den Siedlungen. Was sie dort sahen und erlebten, war ein Einblick in eine Realität, die man von Deutschland aus kaum erahnt. Eine Erfahrung, die bleibt.

Ein neuer Standort für das CSKP: 2018

2018 stellte das Veterinäramt der Slowakei eine neue Bedingung: Um die Genehmigungen für weitere Kastraktionsprogramme zu erhalten, musste das CSKP eine eigene, fest eingerichtete Shelter- und Quarantänestätte nachweisen. Ein neues Gebäude sollte her.

Hundepfoten Saarpfalz beteiligte sich auch an diesem Projekt. Insgesamt 17 Türen wurden über mehrere Transporte nach Nitra gebracht: Sieben Türen mit einem Wert von 833 Euro kamen am 9. Juni 2018, zehn weitere Türen mit einem Wert von 2.400 Euro folgten über die Transporte im Juli, August und September 2018. In vier Bauphasen zwischen Juni und November 2018 wuchs die neue Anlage heran.

Eine stabile Partnerschaft

Die Zusammenarbeit mit Diana Truchlíková und dem ZZPZ ist eine der ungewöhnlichsten Partnerschaften, die wir  unterhalten. Hier geht es nicht nur darum, Hunde zur Vermittlung aufzunehmen – hier geht es darum, die Strukturen mitzugestalten, die Tierschutz in der Slowakei erst möglich machen.

Das, was Diana aufgebaut hat, trägt sich ausschließlich durch ehrenamtlichen Einsatz, Sachspenden und die Unterstützung von Partnerorganisationen wie Hundepfoten Saarpfalz. Jede Spende, die diesen Weg findet, kommt direkt dort an, wo sie gebraucht wird: im laufenden Betrieb, in der medizinischen Versorgung, in dem, was Hunde brauchen, die sonst nirgendwo hingekonnt hätten.

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