Karanténna stanica Zvolen

Städtisches Tierheim der Stadt Zvolen

Eine Partnerschaft, die alles verändert hat

Zvolen. Eine mittelslowakische Kreisstadt, rund 200 Kilometer östlich von Wien, eingebettet zwischen den Ausläufern der Karpaten und dem Flusstal der Hron. Wer hier am Stadtrand entlangfährt, stößt auf ein unscheinbares Gelände: die städtische Quarantänestation für Fundtiere – die Karanténna stanica, kurz KS Zvolen.

Es ist diese Station, mit der für Hundepfoten Saarpfalz e.V. alles begann. Im April 2013 knüpfte unser Verein den ersten Kontakt nach Zvolen – und legte damit den Grundstein für eine Partnerschaft, die bis heute andauert und die für viele Hunderte von Tieren den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeutet hat.

Die Station – Fundament kommunaler Tierschutzarbeit

Die KS Zvolen ist die offizielle städtische Tierauffangstation Zvolens und nimmt Fundtiere aus dem gesamten Stadtgebiet auf. Kein Tier darf abgewiesen werden – jeder Fundhund, jede Fundkatze hat Anrecht auf Aufnahme. Gleichzeitig war die Station lange Zeit damit konfrontiert, dass die Kapazitäten schlicht zu klein waren, um alle Tiere dauerhaft unterzubringen. Das slowakische Recht sah – und sieht – die Euthanasie als letztes Mittel vor, wenn Platz fehlt.

Genau hier setzt die Zusammenarbeit mit Hundepfoten Saarpfalz an: Indem der Verein konsequent Hunde aus der Station nach Deutschland vermittelt und so regelmäßig Platz schafft, hat die KS Zvolen seit Beginn der Kooperation keinen einzigen Hund mehr aufgrund von Platzmangel töten müssen. Das ist kein Zufall – es ist das Ergebnis von über zehn Jahren kontinuierlicher Zusammenarbeit.

Der Beginn: Eine Reise nach Zvolen (Mai 2013)

Am Wochenende vom 31. Mai bis 2. Juni 2013 machte sich eine kleine Gruppe von Hundepfoten-Mitgliedern früh morgens auf den Weg – Freitag um 3 Uhr, vollgepacktes Auto, 13 Stunden Fahrt bis in die Slowakei. Ziel war nicht nur, Hunde mitzunehmen, sondern sich vor Ort ein echtes Bild zu machen: Woher kommen unsere Schützlinge? Wie leben sie? Wer kümmert sich um sie?

In der Station wurden sie herzlich von einer lokalen Tierschutzaktivistin vor Ort herzlich empfangen, die mit ihrer kleinen Gruppe von Ehrenamtlichen das Schicksal der rund 40 Tiere in die Hand genommen hatte. Oft mit eigenem Geld und in ihrer Freizeit. 

Was die Vereinsmitglieder vorfanden, war eine Station im Widerspruch: einerseits Menschen mit echtem Herzblut, die das Beste für die Tiere gaben; andererseits bauliche Mängel, knappe Ressourcen und kaum Unterstützung von offizieller Seite. Acht Zwinger waren nicht belegbar, weil Wände bröckelten. Teile der Anlage hatten kein Dach. Futter und Baumaterial mussten fast vollständig aus Spendengeldern finanziert werden.

Trotzdem: Die Hunde, die untergebracht werden konnten, waren gut versorgt. Jeder Zwinger mit maximal zwei Tieren belegt, täglich frisches Wasser, saubere Boxen, Hundehütten als Schutz. Es wurde sich gekümmert – so gut es eben ging.

Am Ende des Besuchs standen stundenlange Gespräche, ein gemeinsames Mittagessen und ein klarer Plan. Fünf Hunde traten die Rückreise nach Deutschland an und fanden hier neue Zuhause. Und alle Beteiligten wussten: Das war erst der Anfang.

Anpacken statt Abwarten: Notreparaturen im Sommer 2013

Bereits wenige Wochen nach der ersten Fahrt, Anfang August 2013, war das Hundepfoten-Team wieder unterwegs. Diesmal mit einem vollbeladenen Transporter – knapp 1,3 Tonnen Material: Bimssteine, Mörtel, Maschendraht, Gitter, Blechtafeln, Werkzeug wie Bolzenschneider, Trennschleifer und Schweißgerät, dazu Futterspenden.

Innerhalb eines einzigen langen Arbeitstages wurden sechs Zwinger grundlegend saniert: Wände abgerissen und neu aufgemauert, Gitter geschweißt, Türen repariert, Überdachungen instand gesetzt. Sechs Zwinger, die wieder belegt werden konnten. Sechs neue Plätze für Tiere, die sonst keine gehabt hätten.

Die Helfer – neben den Vereinsmitgliedern auch handwerklich begabte Freunde und Unterstützer aus der Region – arbeiteten bis zur Erschöpfung in der Sommerhitze. Das Team der KS Zvolen sorgte für Verpflegung und hielt die Stellung. Am Abend schliefen alle fest – und am nächsten Morgen traten weitere Hunde die Reise nach Deutschland an.

Der Winter kommt - Boxenbau (2013 + 2016)

Mit dem Herbst kam die nächste Herausforderung: die Kälte. Für Hunde, die in offenen oder nur teilweise überdachten Zwingern leben, kann ein slowakischer Winter mit Temperaturen weit unter null zur echten Gefahr werden. Hundepfoten Saarpfalz sammelte Holz – Sachspenden aus dem regionalen Netzwerk – und baute daraus Hundehütten.

35 Boxen entstanden bei zwei Oktoberbesuchen in Zvolen, ausgestattet mit gespendeten Decken und Tüchern. Kleine Höhlen, die den Hunden Wärme und Rückzug boten. Ein überschaubares Projekt mit großer Wirkung – für jedes Tier, das dort den Winter überstand.

Als dann 2016 in der KS Zvolen eine neue Reihe Zwinger gebaut wurde, fehlte es an Innenausstattung: Ohne Hundehütten konnten die Zwinger nicht belegt werden. Wieder packten Hundepfoten-Mitglieder an. Diesmal wurden im lokalen Baumarkt OSB-Platten im Wert von über 400 Euro aus Spendengeldern gekauft – eine besondere Erwähnung verdienen dabei die Kunden einer Vereinsmitglied-Unternehmerin, die mit ihren Trinkgeldern allein fast 300 Euro beigesteuert hatten.

In knapp acht Stunden entstanden 15 neue Boxen, handgefertigt vor Ort. Die neuen Zwinger konnten belegt werden, die Belegungssituation entspannte sich. Kleine Schritte, stetige Verbesserung.

Was heute anders ist

Die KS Zvolen ist heute eine andere Station als im Jahr 2013.

Diese Entwicklung ist das Ergebnis einer gemeinsamen Anstrengung – des engagierten Teams vor Ort, der Unterstützung durch Hundepfoten Saarpfalz und, nicht zuletzt, eines wachsenden Bewusstseins in der Stadt Zvolen selbst.

Die Stadt hat erkannt, dass hier etwas funktioniert, und investiert inzwischen eigene Mittel in den Aus- und Umbau der Anlage: Zwinger wurden modernisiert, ein Freilauf für die Hunde geschaffen. Das Personal der Station besteht heute ausschließlich aus Menschen, die dem Tierschutz aus Überzeugung verbunden sind und sich täglich für das Wohl ihrer Schützlinge einsetzen.

Auch in der Stadtgesellschaft ist etwas in Bewegung geraten. Kindergärten und Schulen besuchen die Station regelmäßig und lernen vor Ort, was Tierschutz bedeutet. Spaziergänger kommen und nehmen Hunde mit auf die Gassi-Runde. Die Zahl der lokalen Adoptionen wächst stetig. Sachspenden aus der Bevölkerung werden mehr.

Und das Wichtigste: Seit Beginn der Zusammenarbeit hat in der KS Zvolen kein Hund mehr sterben müssen, weil kein Platz für ihn da war. Darauf sind wir – gemeinsam mit dem Team in Zvolen – sehr stolz.

Gemeinsam weiter

Die Partnerschaft mit der KS Zvolen ist kein abgeschlossenes Kapitel, sondern eine lebendige Zusammenarbeit. Regelmäßige Transporte bringen Futter und Sachspenden in die Slowakei und nehmen Hunde mit zurück nach Deutschland, die hier in neuen Familien ein zweites Leben beginnen. Der Kontakt ist eng, das Vertrauen gewachsen.

Damit das so bleibt, braucht Hundepfoten Saarpfalz e.V. die Unterstützung all jener, die hinter dieser Arbeit stehen. Als gemeinnütziger Verein, der vollständig ehrenamtlich arbeitet, ist jeder Besuch in Zvolen, jede Holzkiste, jeder Sack Hundefutter und jede Reparatur nur möglich, weil Menschen spenden, mit anpacken und mitdenken. Geldspenden fließen direkt in konkrete Projekte vor Ort. Sachspenden – Futter, Decken, Pflegebedarf – kommen den Tieren unmittelbar zugute. Und wer eine Pflegestelle anbietet, ermöglicht es, dass noch mehr Hunde aus Zvolen den Weg nach Deutschland finden.

Jede Unterstützung zählt. Und jede Unterstützung hat eine Geschichte – die Geschichte eines Hundes, dem sie das Leben gerettet hat.

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